So gelingt der Start ins neue Leben

 

Hier eine Liste mit Tipps, damit alles gut geht beim Einzug Ihres neuen Familienmitglieds:
 

- Bitte nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die Abholung des Tieres am Übergabeort. Die Hunde sollten nicht mit Hektik aus den Boxen gezerrt und sofort in ihr Auto verfrachtet werden.

 

- kontrollieren Sie bitte als Erstes das Halsband und stellen sie es auf den Hund ein – bitte so eng, dass er es sich nicht beim Rückwärtslaufen über den Kopf ziehen kann und sich somit aus dem Halsband befreit. (Ungefähr 2 Finger sollten zwischen Hundehals und Halsband passen)

 

- sichern Sie den Hund sofort mit der Leine am Halsband. Zusätzlich zum Halsband – sollte dem Hund noch ein Geschirr angelegt werden und dieses sollte ebenfalls mit einer Leine gesichert werden! (Doppelte Sicherheit!)


- Der Hund kennt Sie nicht und weiss nicht, dass Sie „der Retter“ sind. Lassen Sie dem Tier Zeit und bestürmen Sie es nicht bei der ersten Begegnung. - Kommen Sie bitte nicht mit zu vielen Personen zur Abholung, sondern wenn möglich nur zu zweit.

 

- Die Hunde sind bei der Ankunft oft durstig und freuen sich über Begrüßungsleckerchen, die saftig und weich sein sollten: Wurstwürfel sind ideal! Hundekekse und andere Leckerlis sind in diesem Augenblick häufig nicht geeignet und werden, da nicht bekannt, oft nicht genommen.

 

- Wenn Sie mit dem Hund zuhause ankommen, lassen Sie ihm bitte erst mal viel Zeit das Haus zu erkunden. Der neue Hund sollte sich in aller Ruhe umsehen bzw. rumschnüffeln und sich ausruhen können.

 

- Bitten Sie Nachbarn und Verwandte dem Hund eine Eingewöhnungszeit zu gewähren und lassen Sie nicht sofort alle zur Begrüßung des neuen Mitbewohners ins Haus kommen.

 

- Der Hund braucht einen Ruheplatz, an der er sich zurückziehen kann und er sich sicher fühlt. Niemand sollte ihn da stören, auch Kinder müssen davon abgehalten werden.

 

- Und denken Sie bitte daran: Für Ihren neuen Hund ist ALLES neu! Seine ganze Welt hat sich mit dem Einzug in Ihre Familie grundlegend geändert, sein Leben sah vorher komplett anders aus – geben Sie ihm bitte Zeit, das alles zu erfassen!

 

- Durch den Stress der Reise und der für den Hund völlig neuen Situation wie auch Futterumstellung etc., kann es zu Durchfällen kommen, die sich aber nach 2 Tagen bessern sollten. Länger andauernder und hartnäckiger Durchfall muss jedoch immer durch einen Tierarzt abgeklärt werden, insbesondere auch dann, wenn sich Blut im Kot zeigt.

 

- Der Hund ist vielleicht nicht an das bei uns häufig eingesetzte Trockenfutter gewöhnt. Möglicherweise müssen Sie hier ein wenig ausprobieren, bis Sie die geeignete Futterart gefunden haben. Mischen Sie anfangs alternativ Dosenfutter unter die Brocken vom Trockenfutter und rühren sie alles mit warmen Wasser an. Das wird meist gerne genommen.

 

- Leinen Sie den Hund anfangs bitte immer an und achten Sie darauf, dass das Geschirr wirklich gut passt. Bei bekannt ängstlichen Hunden besorgen Sie sich bitte ein Sicherheitsgeschirr aus dem der Hund nicht entwischen kann. Bitte denken Sie auch z.B. wenn Sie die Haustür öffnen daran, dass ihr Hund erschrecken und entwischen kann. Achten Sie bitte ebenfalls darauf, dass der Garten ausbruchsicher ist.

 

- Der neue Mitbewohner muss langsam an den neuen Lebensalltag gewöhnt werden. Stundenlange Spaziergänge sind am Anfang für viele Hunde viel zu anstrengend, da sie häufig kaum Muskulatur haben und mit den vielen Eindrücken überfordert sind. 

 

- Bei etwas betagteren Hunden kann es vorkommen, dass sie durch den Aufenthalt im Tierheim und evtl. vorherige Kettenhaltung ganz bestimmte Verschleißerscheinungen zeigen: degenerierte Hinterhandmuskulatur, steife Wirbelsäule, generelle Gelenksteife (aufgrund fehlender Bewegung und dem Leben in der Kälte in der dunklen Jahreszeit) und fehlende Kondition. Viele dieser Defizite können durchaus durch Ruhe, Wärme und gezielte Bewegung (evt. Physiotherapie) und vernünftige Ernährung auf ein Minimum reduziert werden.

 

- Machen Sie sich bitte auch bewusst, dass ihr Hund evtl. niemals vorher oder zumindest eine lange Zeit nicht in einem Haus gelebt hat. Die Umstellung von draußen auf drinnen kann zu Umstellungsproblemen führen kann, da die Belastungen im Hause völlig andere sind als die Belastungen im Freien. Da ist zum einen der Hausstaub zu nennen, aber es werden oft auch ganz alltägliche Gegebenheiten wie z.B. Staubsaugen, laut Musik hören etc. für den Hund zur nervlichen Belastung, bis er sich daran gewöhnt hat.

 

- Der ängstliche Hund braucht besonders viel Zeit. Bedrängen Sie ihn nicht, lassen Sie ihn von sich aus auf Sie zukommen. Erst wenn Sie merken, dass der Hund beginnt, sich in seiner neuen Umgebung wohl zu fühlen, sollten Sie an einen ersten kurzen Spaziergang denken. Wenn Sie keinen Garten besitzen, wo der Hund sich lösen kann, sollten Sie das „Gassigehen“ möglichst kurz und in ruhiger Umgebung durchführen. 

 

- Rechnen Sie bitte nicht mit einem nach deutschem Maßstab erzogenen Hund – die Hunde sind in der Regel freundlich, zutraulich und genießen Nähe und Vertrauen – sind jedoch kein „Sitz/Platz/Steh“ gewohnt. Wenn sie doch Kommandos kennen, so sind sie zumindest nicht an die deutsche Sprache gewöhnt. ...aber natürlich sind sie klug und lernfähig, so dass sie, wenn sie innerlich erst einmal angekommen sind in ihrer neuen Familie, alles lernen können wie jeder andere Hund auch.

 

- Achten Sie bitte auf Ihre Körpersprache und verängstigen Sie den Hund nicht dadurch, dass Sie laut polternd auf ihn einreden, frontal auf ihn zugehen, ihn anstarren oder sich über den Hund beugen. Oft haben die Hunde sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht und müssen nun erst langsam wieder Vertrauen fassen. Denken Sie immer daran, der Hund weiß nicht, dass Sie „sein Retter“ sind und er kann Ihre Liebesbekundungen schnell missverstehen. 

 

- Lösen Sie sich von dem Irrglauben, dass ein Hund so ein Gefühl wie Dankbarkeit empfindet, denn dann sind Sie auch nicht enttäuscht, wenn der Hund sich eben wie ein Hund benimmt. Moralvorstellungen wie Dankbarkeit, Scham usw. kommen im biologischen Repertoire eines Hundes nicht vor. Demzufolge gibt es auch keine Undankbarkeit, die man dem Hund gerne unterstellt, wenn es nicht so läuft wie man sich das vorgestellt hatte.

 

- Üben Sie von Anfang an das Alleinbleiben, indem Sie den Hund schrittweise und allmählich in länger werdenden Zeitintervallen allein lassen. Nutzen Sie die Zeiten, in denen der Hund ohnehin nicht aktiv ist. 

 

- Besprechen Sie die Erziehung des Hundes innerhalb Ihrer Familie und stellen Sie Regeln auf, die Sie dann auch bitte ab dem ersten Tag beachten und auch konsequent dabei bleiben.

 

- WICHTIG! Bitte leinen Sie den Hund nicht zu schnell bei Spaziergängen ab – es wird sicherlich einige Wochen dauern, bis der Hund sich an Sie und die neue Umgebung gewöhnt hat und nicht mehr die Gefahr besteht, dass er unterwegs erschreckt und nicht mehr auf Sie reagiert. Um den Rückruf zu üben und Ihrem Hund ein wenig mehr Freiraum zu geben, ist für eine Übergangszeit das Üben mit einer Schleppleine – es gibt sie in verschiedenen Längen – angebracht.

 

- Bitte binden Sie niemals ihren Hund vor einem Laden an, wenn Sie einkaufen gehen, auch wenn es noch so kurz sein sollte. Es kann sein, dass Ihr neuer Hund bereits schlechte Erfahrungen hat, sich erinnert, in Panik seine Leine durchbeißt und wegläuft.
Es ist passiert auch nicht selten, dass ein vor einem Geschäft angeleinter Hund gestohlen wird.

 

- Jeder Hund ist anders, genau wie wir Menschen auch. Einige Hunde fühlen sich gleich Zuhause, sind fröhlich und aufgeschlossen und andere sind zuerst schüchtern und ängstlich. Aber mit viel Liebe und Geduld legt sich auch das in meist wenigen Tagen.

 

- Falls es Probleme gibt, suchen Sie unbedingt den Rat eines professionellen Hundetrainers, der nach modernen Methoden und ohne Druck und Gewalt arbeitet. Herrscht in der ausgewählten Hundeschule Kasernenhofton, oder werden Hunde zum Gehorsam geprügelt oder an der Leine geruckt, lassen Sie unbedingt die Finger davon. Ein moderner Hundetrainer, der wirklich über ein fundiertes Wissen verfügt, ist in der Lage gewaltfrei und auf Grundlage von positiver Bestärkung mit Hunden zu arbeiten. Unter Punkt „Hier gibt’s Hilfen aller Art“ sind einige Ansprechpartner aufgeführt.

 

Falls es bereits Hund(e) im Haus gibt, sollten Sie folgendes berücksichtigen:

 

- Sorgen Sie für eine erste Begegnung auf neutralem Grund. Sollten Sie bereits mehrere Hunde besitzen, sollten Sie jeden einzeln mit dem neuen Hund bekannt machen.

 

- Sie können auch anfangs angeleint in kleinerem Abstand mit den Hunden laufen, damit sie schon mal Sicht- und Geruchskontakt aufnehmen können. Die Erstbegegnung der beiden Hunde sollte auf neutralem Terrain erfolgen und danach sollte man zusammen ins Haus/Wohnung reingehen.

 

- Vermeiden Sie Körperkontakt angeleint, da viele Hunde angeleint eine größere Individualdistanz haben. Auch wenn Sie Ihren vorhandenen Hund gut einschätzen und interpretieren können, müssen Sie den neuen Hund erst kennenlernen. Helfen Sie ihm dabei, nicht in Bedrängnis zu geraten, damit die erste Begegnung wirklich harmonisch verläuft (Leinenkontakt: Hunde können angeleint nicht wirklich kommunizieren, Körpersprache wird verstellt. Geruchsaufnahme benötigt nicht den Berührungskontakt, da Hundenasen sehr gut riechen können.).

 

- Die Spielsachen und das Eigentum des Ersthundes sollten Sie vorher wegräumen um Streit oder Aggressionen zu vermeiden

 

- Achten Sie beim Füttern darauf, dass Sie keine Futteraggression aufbauen. Anfangs bitte immer getrennt füttern.

 

- Denken Sie daran, dass der vorhandene Hund sich seinen neuen Mitbewohner nicht ausgesucht hat und evtl. am Anfang Umstellungsprobleme hat.

 

- Falls Ihr alter Hund "schmollt", sollten Sie ihn nicht trösten, sondern souverän mit ihm umgehen und dafür sorgen, dass er sich nicht benachteiligt fühlt, indem Sie sich nicht ausschließlich mit dem neuen Hund beschäftigen.

 

- Es wird in der Regel einige Zeit brauchen, bis die Hunde ihren Platz in der neuen Umgebung gefunden haben. Es handelt sich nicht um ein natürlich gewachsenes Rudel, sondern um eine künstlich zusammengewürfelte Lebensgemeinschaft, deshalb sind auch die Interaktionen innerhalb eines solchen Verbandes nicht 1:1 auf das natürliche Rudelverhalten von Wölfen oder Wildhunden zu übertragen.

 

- Sorgen Sie dafür, dass jeder Hund seine Rückzugsmöglichkeiten erhält und der Hund die Möglichkeit hat, als Individuum zu existieren.

 

- Evtl. ist es am Anfang auch sinnvoll, die Hunde in getrennten Räumen schlafen zu lassen und erst dann unbeaufsichtigt zusammen allein zu lassen, wenn man sich sicher sein kann, dass sie sich verstehen.

 

- diese Lebenmittel können ab einer bestimmen Menge für Hunde tödlich sein: Rosinen, Schokolade (Zucker), rohe Kartoffeln

 

- Bitte lassen sie Ihren Hund nach dem Fressen ausruhen (mind.1 Stunde). Toben mit vollem Magen begünstigt das Entstehen einer häufig tödlichen Magendrehung.

 

 

Tipps, falls Kinder im Haus sind:

 

- Kleine Kinder (bis ca. 10/12 Jahre) mit dem Hund nicht allein lassen.

- Der Liegeplatz des Hundes (seine Ruhezone) ist für Kinder tabu, dort sollte er auch nicht bedrängt oder gestreichelt werden.

- Kontaktaufnahme zwischen Hund und Kind beobachten, den Hund entscheiden lassen

 

- Hundespielzeug ist kein Kinderspielzeug, anders herum genauso. Ältere Kinder (ab 10 Jahre) können mit dem Hund (erst mal unter Aufsicht, später auch allein) arbeiten, ihm Kunststücke beibringen etc.

- Alleine Gassi gehen bitte nur Kinder, die den Hund auch kontrollieren/führen können (ein Kind wird einen deutlich schwereren Hund nicht halten können)

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Was Sie vor allem benötigen: VIEL Geduld und VIEL Liebe – die Sie jedoch doppelt und dreifach zurückbekommen werden. Sie glauben gar nicht, wie viel Freude es macht, Ihrem neuen „Lebensgefährten“ Ihre Welt zu zeigen und zu erklären und mit ihm gemeinsam neue Entdeckungen zu machen.

 

 

 

Mit diesen Tipps sollte das Eingewöhnen gut klappen und Sie werden in Kürze einen wunderbaren Begleiter an Ihrer Seite haben - bitte sorgen Sie dafür, dass es ihrem Freund sein Leben lang bei Ihnen gut geht.

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